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Basel im Tal der Könige: Das University of Basel Kings' Valley Project

 

Die Ägyptologie kann an der Universität Basel auf eine lange und erfolgreiche Tradition bei der Er­forschung des Tals der Könige zurückblicken. Diese früheren Forschungen haben nicht unerheblich zum Erfolg des laufenden University of Basel Kings’ Valley Project beigetragen.

Bereits seit Anfang der 70er Jahre widmete sich der ehemalige Basler Institutsleiter Erik Hornung in seinen Studien über die altägyptischen Jenseitsbücher der Dokumentation und Auswertung der höchst komplexen Dekoration der Pharaonengräber. Von den königlichen Grabanlagen, also der „offiziellen“ Seite des Tals, wanderte der Fokus in den 90er Jahren auf die bis dahin wenig beachteten Bereiche des Alltagslebens sowie der vielschichtigen „inoffiziellen“ Facetten des Tals der Könige: zwischen den Jahren 1998 und 2007 arbeiteten Basler Ägyptologinnen und Ägyptologen im Rahmen des Projekts „MISR: Mission Siptah – Ramses X.“ an der Freilegung und Dokumentation des südlichsten Abschnitts des Tals, wobei hier zum ersten Mal in der Forschungsgeschichte nicht mehr nur das königliche Grab im Mittelpunkt des Interesses stand, sondern die Kontextualisierung der Gräber in ihrer topologischen, chronologischen und sozialhistorischen Dimension.

Die Initiative zu dem aktuellen Projekt geht auf die im Rahmen des MISR-Projektes erfolgte Identifizierung eines der Gräber (KV 32) im Seitental Thutmosis‘ III. als Ruhestätte der Gemahlin des Pharaos Amenophis‘ II. namens Tiaa zurück. Diese historische Zuweisung warf neue Fragen zur Nutzung des Areals sowie zur Identität der dort bestatteten Personen auf.

Zurzeit verfolgt das Projekt folgende Forschungsfragen:

  • Die Frage der Chronologie bzw. der sukzessiven Nutzungsphasen des Seitentals Thutmosis‘ III.: Ab wann und über welchen Zeitraum wurde das Tal der Könige auch für nicht-Pharaonen als Bestattungsort genutzt?
  • Die Frage der sozialen bzw. genealogischen Zugehörigkeit der im Seitental beigesetzten Individuen: welcher Personenkreis hatte das Privileg, in unmittelbarer Königsnähe bestattet zu werden?
  • Die Frage der natürlichen und künstlichen Topographie im Seitental sowie der räumlichen Bezüge zwischen den Gräbern bzw. bestimmten Landmarken: hatte die Lokalisation eines Grabes in Bezug auf das Königsgrab sowie die umgebenden nicht-königlichen Gräber eine Bedeutung?
  • Die Frage der Zusammenhänge zwischen der gesellschaftlichen Stellung der beigesetzten Personen und der Architektur ihrer Gräber: lassen sich die unterschiedlichen Grössen und Grundrisse der nicht-königlichen Gräber auf dem Hintergrund der damaligen gesellschaftlichen und familiären Verhältnisse erklären?
  • Die Frage der kulturhistorischen Einordnung der systematischen Absenz von Wanddekoration in den nicht-königlichen Gräbern im Tal der Könige: Weshalb erhielten die hier bestatteten Personen keine Darstellungen und Texte an ihren Grabwänden und wo fand ihr Totenkult statt?
  • Die Frage der antiken Beraubungen: In wessen Auftrag und vor welchem wirtschaftlichen und ideologischen Hintergrund wurde das Tal der Könige systematisch ausgeraubt?
  • Die Frage der Individualisierung von Bestattungsformen und der Motivation zur Nutzung der Gräber nach Aufgabe des Tals der Könige als Pharaonennekropole: Erfolgte die Auswahl der Gräber und die Gestaltung der Beisetzung während der III. Zwischenzeit systematisch oder aufgrund individueller/persönlicher Entscheidungen (Agency)?